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 Der Wanderer

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Soneji_Yael



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BeitragThema: Der Wanderer   Mi 12 Feb 2014 - 22:14

Langsam wache ich auf. Wasser umspült meine Füsse, ich liege im Sand. Meine Lippen sind verkrustet und ausgetrocknet. Ich spüre jedes Sandkorn auf der blossen Haut. Ich öffne die Augen und schliesse sie sofort wieder. So hell. Ich öffne sie vorsichtig einen Spalt weit. Mein Blick schärft sich und ich sehe einen Strand. Das Rauschen in meinen Ohren kommt von den Wellen, die sanft ans Ufer spülen. Ich versuche, mich darauf zu konzentrieren. Kopfschmerzen. Wellen von Kopfschmerzen, seltsam synchron mit den Wellen am Strand. Der Gedanke ist grotesk. Dann wird mir schwarz vor Augen und die Welt versinkt wieder in Dunkelheit.

Ich weiss nicht wie lange ich ohne Bewusstsein war. Alles ist anders. Ich liege auf einem weichen Lager, eine Decke liegt über meinem Körper. Ob ich die Augen öffnen sollte ? Ich horche noch eine Weile in mich hinein und versuche zu ergründen ob das real ist. Vorsichtig wackle ich mit Zehen und Fingern. Ich spüre meinen Körper. Gut. Langsam öffne ich die Augen. Ich sehe einen alten Mann, der über mich gebeugt ist. Sein schlohweisser Bart liegt auf meiner Brust.
"Na, mein Freund, ich dachte schon du kommst nie mehr zu uns zurück. Es ist neun Tage her, daß ich dich am Strand gefunden habe"
Die neun betont er auf eine seltsame Art und Weise. Er redet weiter, doch meine Gedanken drehen sich nur um diese neun Tage. NEUN Tage.
Ich schüttele den Kopf und versuche klar zu werden. Ich versuche entschuldigend zu lächeln und etwas zu sagen, aber es kommt nur ein Krächzen über meine Lippen.
Sanft legt der Alte seine Hand auf meine Stirn.
"Ruh dich aus und überlass alles dem alten Jeremias. Jetzt trink das und schlaf dich gesund"
Ich will protestieren, aber da flösst er mir schon ein bitteres Gebräu ein und die Welt verschwindet um mich.

Schweissgebadet erwache ich und stemme mich hoch. Für einen kurzen Moment wird mir schwindelig, trotzdem setze ich beide Füsse auf den Boden und verharre einen Moment in dieser Position. Ich schüttele den Kopf um die Benommenheit zu vertreiben. Der hölzerne Boden fühlt sich seltsam lebendig unter meinen nackten Füssen an. Ich runzele die Stirn, öffne die Augen und stehe vorsichtig auf.
"Wunderbar" höre ich die Stimme des Alten aus einer Ecke. "Ich dachte mir schon, daß ein Mann mit deinem Körperbau eine Kämpfernatur sein muss. Du bist ein Krieger vermute ich. Aus Calimshan würde ich sagen, wenn ich deine Gesichtszüge und Hautfarbe richtig deute".
Fragend schaut er mich an. Ich versuche seine Frage mit mir in Verbindung zu bringen. Es gelingt mir nicht. Jeder Gedanke an mich oder meine Vergangenheit endet vor einem Schleier. Ich schaue an meinem Körper hinab. Selbst in meinem schlechten Zustand zeichnen sich deutlich die Muskeln ab. Vermutlich war ich wirklich ein Krieger. Ich schaue in meine schwieligen Handflächen. Oder ein Schmied ?  Vielleicht auch ein Minenarbeiter oder Bauer ? Langsam schüttele ich den Kopf. Ich sehe mich in der Hütte um. Irgendetwas ist sonderbar. Die Erkenntnis durchzuckt mich. Ich bin nicht in einer Hütte. Es ist ein Baum. Ein Baum, der einen Raum in sich birgt. Ich schaue den lächelnden Alten an.
"Ja. Wir sind in einem Baum. Wer wie wir Druiden in Einklang mit der Natur lebt darf sich manchmal, wenn er es wirklich benötigt, auch eines Wunders erfreuen"
Ich sehe mich weiter um. Es gibt keine Fenster, keinen Eingang. Das Licht geht von einer Blase aus, die wie eine Frucht aus der Decke gewachsen ist. Ich schließe die Augen. Als ich sie wieder öffne sehe ich ein seltsames Glühen um diese Blase. Nachdenklich runzele ich die Stirn. Es gibt noch mehr Stellen im Raum die dieses seltsame Glühen zeigen. An der Wand ist ein großes, glühendes Rechteck zu sehen, mit glühenden Symbolen auf Augenhöhe.
Vorsichtig mache ich ein paar Schritte auf diese Stelle zu. Mit der linken Hand fahre ich die Symbole nach. Es kribbelt. Unangenehm ist es nicht, eher ganz weit entfernt vertraut.
Verwirrt sehe ich mich nach dem Alten um, der mich konzentriert und sichtlich überrascht beobachtet.
"Du siehst die Spuren der Magie ? Vielleicht steckt mehr in dir als ein muskelbepackter Rohling"
Er winkt mich wieder zum Bett.
"Genug für heute. Ruh dich jetzt aus und morgen sehen wir weiter"
Er reicht mir einen Becher mit dem seltsamen, dampfenden und stinkenden Gebräu. Ich rümpfe die Nase, trinke den Becher aber in einem Zug aus.
Sofort macht sich eine fast bleierne Müdigkeit in meinem Körper breit. Ich lege mich hin und spüre wie der Alte die Decke über mich breitet.
"Morgen werden wir nach draussen gehen und dich wieder auf Vordermann bringen, mein Freund. Und vielleicht verrätst du mir dann auch deinen Namen"
Ich dämmere bereits dahin, trotzdem kommt meine Stimme klar und scharf, aber melodisch.
"Ich weiss ihn nicht mehr. Ich weiss gar nichts mehr. Ich..."
Die nächsten Worte sind nur noch ein Murmeln, bevor es erneut schwarz um mich wird.
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Soneji_Yael



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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Do 13 Feb 2014 - 13:42

Vorsichtig öffne ich die Augen. Ein leichter Luftzug weht im Raum. Es sind Fenster und eine Tür gewachsen. Draussen steht der Alte behaglich in der Sonne.
"Komm heraus, solange das Wetter noch hält. In ein paar Stunden wird es regnen"
ruft er mir durch die Türöffnung zu.
Langsam trete ich in die Tür und atme tief ein. Heute geht es mir wesentlich besser. Ich spanne die Muskeln an und höre ein befriedigendes Knacken in allen Gelenken. Bewusst gehe ich den nächsten Schritt, der mich aus dem Baum führt. Ich lache befreit und drehe mich zu der Stelle um, an der der Alte vorhin stand, als mich plötzlich ein riesiger, wild kreischender Raubvogel attackiert.
Blitzschnell führe ich die Arme zur Deckung hoch und rolle mich ab. Während der Rolle greife ich einen etwa armlangen Ast, der auf dem Boden lag. Sofort komme ich wieder auf die Füsse und schlage ansatzlos nach dem immer noch wütend angreifenden Vogel. Ein mächtiger Treffer direkt hinter dem Flügelansatz schleudert ihn ins Unterholz. Wachsam beobachte ich in leicht geduckter Haltung und mit schlagbereitem Ast die Richtung in der das Tier verschwand.
In den Büschen knirscht und knackt es, dann tritt der Alte leise fluchend aus dem Unterholz. Er hält sich die Seite, trotzdem lächelt er mich triumphierend an.
"Ich dachte mir doch, dass du ein Kämpfer bist. Und ein ziemlich guter, möchte ich meinen. Der Schlag tat verflucht weh"
Auf meinen verwirrten Blick hin fing er schallend an zu lachen.
"Oh, ich dachte du weisst, dass die meissten Druiden auch ihre Gestalt wandeln können. Der Vogel war ich, betrachte es als... nun... kleines Experiment. Und jetzt lass uns mehr über dich herausfinden"
Übergangslos spricht er mich in verschiedenen Sprachen an. Von den meissten verstehe ich einzelne Begriffe, aber nur selten zusammenhängendes. Mir kommen übergangslos Phrasen in den Sinn, wie man sie als Reisender in den Tavernen lernt. Grüsse oder Worte für Unterkunft, Essen und Bier. Immer wieder schüttele ich den Kopf, bis er plötzlich zu einer etwas abgewandelten Form dessen kommt, was er bisher sprach. Ich verstehe jedes Wort, die Antworten kommen wie von selbst in meinen Sinn. Ich stutze und schaue ihn fragend an.
"Auch hier hatte ich Recht. Das ist ein Dialekt, wie er in einigen südlichen Gebieten Calimshans gesprochen wird"
Selbstzufrieden schaut er mich an und wirft mir dann einen etwa mannshohen Stab zu.
"Jetzt lass uns mal sehen womit du am besten umgehen kannst"
Wild greift er mit einem ähnlichen Stab an. Ich kann ihn kaum auf Abstand halten. Irgendwie fühlt sich das Werkzeug in meinen Händen falsch an. Aus den Augenwinkeln sehe ich den Ast, den ich vorhin fallen gelassen hatte.
Er ist etwa armlang, sehr dünn und in einer leichten Kurve gebogen. Ich erinnere mich an das Pfeifen als ich nach dem Vogel schlug.
Grimmig lächele ich den Alten an und lasse mich auf den Ast zutreiben.
Mit einem wütenden Gegenangriff bringe ich ihn zum straucheln, lasse den Stab fallen und greife nach dem bewährten Ast, den er vorhin schon spürte.
Mit wilden Schwüngen treibe ich ihn zurück bis er über eine Wurzel stolpert.
Ich führe noch einen leichten Schlag auf seinen Arm aus, hebe grüssend den Ast vors Gesicht und versuche ihn in einer fliessenden Bewegung an meine Seite zu stecken. Stirnrunzelnd betrachte ich die Stelle, von der ich dachte dass das Katana dort hingehört. Katana ? Der Ast. Meine Nacktheit wird mir bewusst. Ich schaue den Alten fragend an.
"Katana..."

Gedankenverloren sage ich nur das eine Wort und sehe dabei den Ast an.
Wie ein Blitz durchzucken mich Bilder. Kämpfe mit Untoten, Vampiren, Feuerriesen, Dämonen, Salamandern, Orks, Elementaren und einigen sehr seltsamen Wesen wie einer riesigen Krabbe. Ich trage eine glänzende Rüstung, einen grossen, viereckigen Schild und ein gebogenes Schwert. Katana. Ich starre auf den Ast in meiner Hand und die Welt fängt an, sich um mich zu drehen. Ehe mir schwarz vor Augen wird sehe ich in seltsamer Klarheit eine in Eis eingeschlossene Stadt vor mir und höre mich selber sagen :
"Ich darf mich nicht fürchten.
Die Furcht tötet das Bewußtsein.
Die Furcht führt zu völliger Zerstörung.
Ich werde ihr ins Gesicht sehen.
Sie soll mich völlig durchdringen.
Und wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben.
Nichts außer mir."
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Soneji_Yael



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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Do 13 Feb 2014 - 19:52

In den nächsten Tagen bemüht der Alte sich nicht mehr, etwas über mich herauszufinden. Die meisste Zeit schaut er mich besorgt an, dabei immer bemüht mir körperlich auf die Beine zu helfen.
Ich schleppe Steine und Holz, renne endlos am Strand entlang und auf Hügel hinauf, immer angetrieben von dem alten Druiden, der sich bei diesen Gelegenheiten in ein Pferd oder einen Wolf verwandelt.
Langsam merke ich, wie mein Kürper in immere bessere Form kommt. Begierig mache ich von jeder Übung um die Hälfte mehr als Jeremias von mir verlangt. Nur die Kampfübungen vernachlässige ich. Regelmässig schleichen sich dabei grausame Bilder und Erinnerungen in meinen Kopf. Genauso regelmässig verliere ich dabei das Bewusstsein. Und die Bilder werden immer realer. Besiegte und nahezu unbesiegbare Gegner, gefallene Freunde.
In mir reift der Entschluss, dass ich nicht mehr kämpfen möchte.
Die nächsten Wochen und Monate vergehen wie im Flug. Mein Körper ist gestählt und ich fühle mich grossartig. Der Alte sagt öfter mal ich sei stark wie ein Riese, zäh wie ein Zwerg und stur wie ein Ochse. Überlichweise dann, wenn er mich zum Kampftraining verleiten möchte.
Scheinbar habe ich auch ein paar andere Talente. Ich weiss nicht woher Jeremias die Laute hat, und noch weniger weiss ich, wieso ich ihr Töne entlocken kann. Als ich ihm selbstvergessen beim kochen zuschaue und an der Laute zupfe kommen mir Worte in den Sinn und ich fange leise an zu singen.
"Bis hierher gelebt - Und immer weiter
Bis die Wahrheit kommt
Und schon oft gedacht - Und nicht nachgedacht
Das ist das Ziel
weiter - immer weiter - immer weiter - Geradeaus
Und wieder von vorn - Doch nicht müd dabei
Geradeaus mit Stolz
Und wieder von vorn - Doch nicht müd dabei
erhobnen Haupts
weiter - immer weiter - immer weiter - Geradeaus
Unbeständigkeit - ist des Lebens Last
Ich fang' an zu versteh'n
Also aufgepasst - den Entschluß gefasst
Geradeaus zu geh'n
weiter - immer weiter - immer weiter - Geradeaus
Was ich umgerannt - kommt hinterhergerannt
Oder bleibt liegen und verreckt
Im Morast - Im Morast
Im Morast - im Dreck
weiter - immer weiter - immer weiter - Geradeaus
Was immer auch geschieht - Was immer auch passiert
Ich geh' meinen Weg
Was immer auch geschieht - Was immer auch passiert
bis ans Ziel
weiter - immer weiter - immer weiter - Geradeaus"


Nachdenklich stelle ich die Laute auf die Seite und schaue den Alten fest an.
"Meister Jeremias, ich danke dir und werde nie vergessen was du für mich getan hast. Trotzdem, ich muss bald weiterziehen. Hier ist nicht meine... Bestimmung...
Und hier werde ich nicht herausfinden wer ich bin und woher ich komme"

Der Alte nickt mir zu und bedeutet mir an eine Kiste zu gehen, die in der Ecke steht. Während er weiter im Essen rührt und Kräuter hineinstreut öffne ich die Kiste und bin nahezu überwältigt. Ganz obenauf liegt ein wunderbar gearbeitetes Katana, das mit einer diffus glühenden Aura umgeben ist. Ich bewundere das Schwert und traue mich nicht, es zu berühren. Nach einem Moment spüre ich, dass der alte Druide neben mir steht und mich anlächelt.
"Es gehört dir. Und sag mir nicht, dass du nicht auch die Verbundenheit mit dieser Waffe spürst. Ausserdem habe ich hier eine lederne Brustrüstung und etwas weitere Kleidung für dich. Und das hier..."
er hängt mir ein Amulett um den Hals
"... das wird dir in vielen Teilen Faeruns Freunde verschaffen. Wenn du in der Nähe eines Hains bist zeig ihm dies, und er wird dir zumindest einfache Hilfe gewähren. Und... wenn dich jemand fragt, erzähl ihm von dem alten Jeremias"
Mit einem rauhen Lachen wendet er sich ab und geht zurück zur Feuerstelle.
Vorsichtig hole ich das Katana und die Scheide aus der Kiste, und schon bei der ersten Berührung durchfährt es mich wie ein Blitz. Dieses Schwert und ich sind füreinander geschaffen. Bin auch ich ein Werkzeug des Todes ?
Ich betrachte das Katana noch einen Moment, stecke es in die Scheide und lege es vorsichtig auf meine Lagerstatt. Langsam hole ich die anderen Gegenstände aus der Kiste und ziehe sie an. Unter Rüstung und Kleidung liegen ein paar weiche, aber stabile Stiefel. Ich betrachte meine blossen Füsse, wackele mit den Zehen und habe plötzlich die Gesichter von zwei Hin vor Augen. Bei einer Hochzeit ? Ich runzele die Stirn. War ich bei einer Halblingshochzeit gewesen ? Ich schüttele den Kopf. Unwahrscheinlich. Vorsichtig ziehe ich die Stiefel an und finde sie perfekt passend vor. Bis auf einen Rucksack und eine grosse Gürteltasche ist die Kiste jetzt leer.
Ich greife nach der Tasche und öffne sie. In ihr befinden sich zwei gefüllte Fächer mit Phiolen und 2 Schriftrollen in runden Aussparungen.
"Die Tränke sind zur Heilung von Wunden gedacht. Ich vermute, ein Mann von deiner Statur lockt Neider an. Und diese Neider wird es nicht interessieren ob du kämpfen möchtest oder nicht. Die beiden Schriftrollen sind als letzter Ausweg dabei, falls sich einer der Neider doch als stärker herausstellen sollte."
Er lacht bitter und merklich traurig. Vorsichtig entrolle ich eine Schriftrolle und stelle verwundert fest, dass ich sie nicht nur lesen kann, sondern auch ihre Wirkung verstehe. Mächtiges Heiligtum. Ein Zauber, der mich sofort aus dem Sinn und Blick jedes Lebewesens verschwinden lässt, solange ich selbst nicht angreife. Leise murmele ich die ersten Silben, als der Alte mir eine Hand auf die Schulter legt
"Wenn du sie laut vorliest entfaltet sie ihre Wirkung. Und du willst dieses Geschenk doch nicht an einen alten Mann verschwenden. Jetzt komm und iss mit mir, verbringe einen letzten Abend hier und morgen früh geh hinaus in die Welt und finde deine Bestimmung"
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Soneji_Yael



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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Do 13 Feb 2014 - 22:03

Die nächsten zwanzig Jahre verbringe ich damit Faerun vom Eiswindtal bis nach Halruaa und von der Schwertküste bis Thay zu durchwandern. Immer auf der Suche nach mir selbst und der Wahrheit. Mein erster Weg führt mich nach Calimhafen. Der gute Jeremias sagte ich komme wohl aus Calimshan. Vielleicht bringt eine vertraute Umgebung die Erinnerungen zurück ? Ich verbringe fast zwei Jahre in der Stadt, eigentlich eine fröhliche und gute Zeit. Ich lerne ein Mädchen kennen und komme ihr näher. Es stört sie nicht, dass ich keine Erinnerung und keinen Namen habe. Sie nennt mich einfach den Wanderer und lacht dabei immer so zauberhaft. Als sie schwanger wird fange ich an, bei einem Auktionshaus als Wächter zu arbeiten. Seltsam. Es fühlt sich an, als habe ich dieses Treiben und den Trubel schon einmal erlebt. Es ist wie der Basar, der jeden Zehntag hier stattfindet, nur irgendwie verwirrender. Packender. Dann kommt mein grosser Tag. Der Auktionator verspätet sich und die Besucher sind unruhig. Ich betrete die Bühne um etwas Beruhigendes zu sagen, doch als ich alle Blicke auf mir spüre überkommt es mich.
"Willkommen hier im Auktionshaus von Aarenfurt, vielen Dank dass ihr alle gekommen seid. Heute haben wir wieder eine grossartige Auswahl der erlesensten und feinsten Kostbarkeiten, die die Sphäre zu bieten hat. Und manches mag Euch wie aus einer anderen Welt erscheinen. Vielleicht ist es das auch. Kommen wir hier zum ersten Posten der Auktion..."
Während ich darüber nachgrübele was ich hier tue, und vor allem was dieses Aarenfurt sein soll sehe ich mich plötzlich auf dem Podium eines steinumfassten Marktplatzes stehen und Waren anpreisen, die mir ein dienstbeflissener Handlanger reicht. Aarenfurt. Aarenfurt. Vielleicht sollte ich irgendwann...
Während ich vor mich hinsinniere geraten die Bieter regelrecht in Extase. Die Gebote überschlagen sich und ehe der Tag zuende ist sind sämtliche Posten zum Teil weit über dem erwarteten Preis verkauft. Ein Lob und ein kräftiger Bonus des Besitzers, ein giftiger Blick des ehemaligen Auktionators und ein wenig neidische Gratulationen der anderen Wächter später verlasse ich gutgelaunt das Auktionshaus um meiner Liebsten die frohe Nachricht zu überbringen.
Kurz hinter der Tür hält mich einer der fleissigsten Bieter auf.
"Auf ein Wort ? Ihr erwähntet den Namen Aarenfurt. Wie es der Zufall will hörte ich von dieser Stadt gerade vor einigen Wochen in Niewinter. Ein finsterer Bursche in einer Hafenkneipe erzählte davon, und von einer Sphäre, in der er gefangen gewesen sei. Irgendeine Geschichte über ein Einhorn und einen Drachen. Für mich sah er nicht wie ein Barde aus, in dieser seltsamen schwarzen Robe. Er hatte auch die ganze Zeit seine Kapuze auf und roch irgendwie... muffig... Und Handschuhe trug er !
Im Sommer ! Drinnen ! Aber ich vermute das hängt mit seinem Arm zusammen, das war nur noch Haut und Knochen. Naja, vielleicht war das ein Hexenmeister dem ein Zauber schiefging..."

Während er weiterredete kam mir ein Wort in den Sinn. Wendal. Ich spreche es laut aus und der Mann stutzt
"Ja, genau, den Namen erwähnte er auch. Vielleicht ist ja an der Geschichte wirklich was dran, wenn Ihr da auch Bescheid wisst. Verrückt, welche Zufälle es gibt. Besucht mich doch mal im Handelshaus der Hamids und fragt nach Abdul. Ihr könnt mir vielleicht mehr davon erzählen. Es war mir eine Ehre."
Mit einer tiefen Verbeugung veranschiedet er sich in Richtung Händlerviertel. Aufgewühlt gehe ich nach Hause, nicht in der Lage über diese Begegnung zu sprechen.
Die nächsten Wochen vergehen wie im Flug und ich werde immer unruhiger. Aarenfurt, Wendal, Sphäre. Die Worte spuken Tag und Nacht in meinem Kopf, ohne dass ich sie greifen und wirklich zuordnen kann. Dann kommen die Träume wieder.
Am nächsten Morgen küsse ich meine Liebste sanft und verlasse ohne sie aufzuwecken das Haus.
Eine Karawane nach Norden verlässt heute die Stadt, und ich werde mich ihr anschliessen. Stark und gefährlich aussehende Wächter sind bei Karawanen recht beliebt.
Ohne einen Blick zurückzuwerfen trete ich zu dem Führer und bitte ihn, mich bis Niewinter mitzunehmen.
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Soneji_Yael



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BeitragThema: Re: Der Wanderer   So 16 Feb 2014 - 15:36

Niewinter. NIE Winter. Fluchend und frierend stehe ich in einem heruntergekommenen Teil des Hafenviertels. Ein paar zwielichtige Gestalten die mich mustern überzeugt wohl der finstere Blick und der Griff meines Katanas, der über meine Schulter ragt. Ich stehe vor der Kaschemme die dieser Hamid erwähnt hatte. Die zehnte Kneipe in dieser Woche, und vorhin konnte mir wenigstens jemand Sagen, dass dieser seltsame Erzähler meisst hier verkehrt ist.
Ich betrete den Schankraum und gehe zum Wirt. Leise bestelle ich ein Bier und gebe ihm die Beschreibung dieses mysteriösen Fremden, dabei Münzen auf den Tresen zählend die weit über den Preis eines Biers hinausgehen. Der Wirt nickt.
"Ja, der war hier. Er sagte sein Name sei August. Naja, er war ein wenig düster, schwermütig möchte ich sagen. Und wenn man in seine Näge kam roch er irgendwie nach Tod, wenn ihr versteht was ich meine. Trotzdem kann ich nur gutes sagen. Als er hier war war mein Laden jeden Abend berstend voll. Wisst ihr, er hatte eine begnadete Stimme, spielte die Laute wie ein Teufel und war ein grossartiger Geschichtenerzähler. Sicher, seine Lieder und Geschichten waren eher melancholisch, trotz allem wunderschön. Ihr könnt mir glauben, ich habe gestandene Schlägertypen weinen sehen dabei. Leider verliess er uns vor ein paar Wochen und wollte sich ins Eiswindtal aufmachen. Er sagte er sei heimatlos und man höre so oft, Zehnstädte sei eine Heimat für Heimatlose"
Seufzend wischt er den Tresen ab. Ich bedanke mich freundlich und stecke ihm ein paar weitere Münzen zu. Wortlos verlasse ich dann die Kneipe und das Hafenviertel. Die einzige Erinnerung die zurückbleibt sind ein paar blaue Flecke und ein gebrochener Arm. Der arme Kerl an der Ecke hat sich leider den Falschen ausgesucht. Ich habe ihm ein paar Münzen dagelassen. Manchmal denke ich, ich bin zu sentimental.
Ich wende mich zur Hafenmeisterei und buche eine Überfahrt nach Luskan.
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Soneji_Yael



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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Di 11 März 2014 - 13:41

Kaum in Luskan angekommen und in der ersten Kneipe nach dem seltsamen Mann gefragt erhalte ich auch schon Besuch durch die Behörden. Scheinbar hat er auch die Aufmerksamkeit des Magierturms auf sich gezogen. Stirnrunzelnd beantworte ich die Fragen des Stadtbüttels, zumindest soweit ich es kann. Leider ist das nicht annähernd so weit wie er es gerne hätte. Oder ich es gerne hätte.
Er wird zusehends unzufriedener.
"Nun, ich habe es freundlich versucht, aber wenn jemand so verstockt ist muss ich die Verantwortung leider an den Magierturm abgeben."
Er malt in den schönsten Farben die Dinge, die Magier mit einem anstellen können um Informationen zu erhalten. Eigentlich gefällt mir der Gedanke ganz gut, daß die Magier versuchen meine Gedächtnisblockade zu lösen. Ich wüsste ja selbst gern vieles von dem, was hier gefragt wird.
Grübelnd zucke ich mit den Schultern und gebe damit mein Einverständnis. Ohne Gegenwehr lasse ich mich zu den Magiern in den Hauptturm bringen.
Bei den Magiern finde ich zum ersten Mal wirklich offene Worte und interessierte Zuhörer. Fast fühle ich mich wie damals bei Jeremias. Fast. Jeremias hatte nie eine so hinterhältige, verschlagene Art an sich wie diese Menschen hier. Trotzdem. Sie können helfen. Vielleicht.
Ich gebe ihnen alle Informationen, berichte von allem Visionen und Erinnerungsfetzen die aufblitzen. Nenne die Begriffe die mir plötzlich in den Sinn kommen. Interessanterweise vergessen sie über meinen Erzählungen die Sache mit diesem August vollkommen.
Scheinbar bin ich interessanter, oder zumindest ist es meine Geschichte.
Morgen wollen sie versuchen, mich mit ein paar Zaubern zu untersuchen. Ich bin gespannt ob etwas dabei herauskommt.

Nach einer kurzen Nacht ohne ausreichenden Schlaf fühle ich mich wie gerädert. Das Frühstück ist kärglich, und die Zauberer möchten am Liebsten sofort loslegen. Wo bin ich da nur hineingeraten. Die Magier versuchen mir zu erklären was der jeweils nächste Spruch bewirkt. Seltsam, daß sie so besorgt um mein Wohlergehen sind. Ich liege nackt auf einer Pritsche und muss diverse Sprüche des Magie Bannens, der Geisteskontrolle und ähnliches über mich ergehen lassen. Alles umsonst, nur mit dem Effekt, daß ich mich benommen fühle und noch mehr Begriffe und Bilder durch meinen Kopf rasen, ohne daß ich sie greifen kann.

Ein uralter Magus mit langem grauem Bart steht vor mir und schaut mir ins Gesicht.
"Du wurdest am Strand angespült sagtest du ? Und du weisst nichts mehr von vorher, aber seitdem noch alles ?"
"So ist es" nicke ich. "Es ist, als wäre ich schlagartig in einem neuen Leben aufgewacht"
Murmelnd steht er vor mir, dann lächelt er mich an, greift nach meiner Schulter und drückt sie kurz tröstend und nickt jemandem hinter mir zu.
Als ob die Zeit verlangsamt wäre spüre ich einen Luftzug und höre ein leises Pfeifen, kann aber nicht reagieren bevor der Stab meinen Kopf trifft.
Farben explodieren vor meinen Augen und ich spüre einen stechenden Schmerz bevor ich in die Dunkelheit falle.

Ich. Peron Dias. Waffenmeister.
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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Do 20 März 2014 - 17:10

Ich erwache wieder mit bohrenden Kopfschmerzen. Mein Mund ist trocken. Ich huste und öffne die Augen. Eine Hand hebt sanft meinen Kopf an und jemand flösst mir Wasser ein als ich anfange mich zu rühren. Dankbar lächele ich der Person zu. Langsam klärt sich mein Blick und ich erkenne den Alten, auf dessen Anweisung ich geschlagen wurde. Ich versuche aufzufahren, aber mir wird sofort wieder schwindlig. Langsam rutsche ich von der Pritsche. Der Alte macht einen Schritt zu mir und hält mich.
"Langsam, langsam, junger Mann. Die Behandlung war vielleicht etwas grob. Aber ich vermute, nur so konnten wir einen Erfolg erzielen. Bleib liegen, und wenn du kannst berichte mir an was du dich erinnerst."
Ich lasse mich zurück auf die Pritsche sinken und fange stockend und mit geschlossenen Augen an zu berichten.
"Mein Name ist Peron Dias und ich wurde in Calimshan geboren..."
Langsam und mit längeren Pausen berichte ich von meiner Jugend, meiner Zeit als Kämpfer und Karawanenwache und den Jahren im Osten, als ich lernte mit dem Katana umzugehen und gezielter auf die verwundbaren Punkte meiner Gegner zu achten.
Seltsam, mein Gedächtnis scheint wieder zu funktionieren. Zumindest in Teilen. Erst als ich bei meinem Bericht den schicksalhaften Moment erreiche als ich ins Nichts gerissen wurde und in Wendals Sphäre erwachte gerate ich wieder ins Stocken.
Auch hier ist mir vieles bewusster als vorher, es sind nicht mehr nur noch Visionen sondern sehr konkrete Erinnerungen. Trotzdem, irgendwie fühlt es sich an als ob ich alles durch einen dichten Nebel beobachte. Verwirrt schaue ich den Alten an.
"Es ist genug, ruh dich etwas aus. Deine Erinnerung ist wieder da, aber du hast vieles aufzuarbeiten. Lass uns in ein paar Tagen weiter sprechen"
Seltsam. Alle Magier hier im Turm wirken verschlagen, wie Wiesel oder Ratten. Warum fiel mir der warme, verstehende Schimmer in seinen Augen bisher nie auf ?
Mit diesem Gedanken und einem Lächeln auf den Lippen schlafe ich ein.


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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Do 27 März 2014 - 11:01

Drei Tage. Immerhin. Drei ganze Tage lassen sie mich in Ruhe zu Kräften kommen.
Nur der Alte besucht mich ab und an, ohne in der Zeit aber Fragen nach der Sphäre oder meinem Leben zu stellen. Wir unterhalten uns über Kunst, Kultur, die Völker Faeruns, Magie und ähnliche Dinge.
Ich bekomme genug Essen und Wasser, ab und an einen Krug Met und kann mich in einem gewissen Maß frei bewegen. Auch mein Katana wurde mir gelassen. Ich verbringe jeden Tag mehrere Stunden mit Kampfübungen um meine alte Geschmeidigkeit wieder zu erreichen. Das wird noch ein langer Weg sein.
Viel der restlichen Zeit nutze ich zum meditieren, in meinen Erinnerungen forsten und lesen, wenn mir der Alte etwas mitgebracht hat. Mir wird bewusst, daß ich nicht einmal seinen Namen weiß. Ich sollte ihn mal fragen.

Nach drei Tagen werde ich dem Konzil der Magier wieder vorgeführt. Sie sehen erstaunt aus, als wäre ich ein vollkommen neuer Mensch. Seit ich meine Erinnerung zurück habe bin ich gelassener, gehe aufrechter und kraftvoller und bin mir meiner Selbst bewusster.
Scheinbar hat sie der Alte - Josua der Graue, wie ich mittlerweile weiß - nicht auf die Veränderungen in und an mir vorbereitet. Der alte Fuchs sitzt am Rande des Konzils und beobachtet genau die Reaktionen seiner Mitmagier.
"Nun," fange ich langsam an zu sprechen "so hört meine Geschichte und die Geschichte von Wendals Sphäre, soweit sie mir bekannt ist."
Lange und ohne unterbrochen zu werden schildere ich meine Geschiche. Von meiner Jugend bis hin zu dem Tag an dem ich von der Sphäre aufgesaugt wurde. Die Geschichte von Wendal dem Einhorn und seinem Kampf gegen den Knochendrachen. Ich beschreibe Aarenfurt und das Umland in der Sphäre. Berichte von den Völkern und den Wesen die dort lebten. Von besiegten Feinden und gefallenen Freunden.
Als ich bei dem Punkt angelange an dem die Sphäre kollabierte und ich ins Meer geschleudert wurde ist es bereits tiefe Nacht. Langsam wird meine Kehle trocken und mein Magen knurrt.
"Dies ist alles was ich zu berichten weiß" erkläre ich meinen angespannten und atemlos zuhörenden Zuschauern "und jetzt lasst mich bitte essen und ruhen, es war ein sehr anstrengender Tag"
Langsam steht der erste Magus auf und applaudiert, andere schliessen sich an. Verwundert schaue ich zu meinen Zuhörern, innerlich allerdings schmunzelnd. Vielleicht haben die paar Wochen, die ich mit diesem fahrenden Sänger reiste doch ein wenig gebracht und es ist etwas von seiner Vortragskunst hängengeblieben. Was wohl aus August wurde... Er war zwar immer etwas düster und schwermütig, und ich weiß nicht wie tief sein Interesse und seine Besessenheit von dem Thema Tod und der Unsterblichkeit wirklich ging, trotzdem war er mir gegenüber immer zuvorkommend und zuverlässig. Und wer sich so gut mit den Hin versteht kann eigentlich kein böser Mensch sein. Oder ?
Grübelnd gehe ich zurück in die Räumlichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Ein üppiges Mahl und ein Krug Met warten schon auf mich, zusammen mit einem hübsch verzierten und sichtlich kostbaren Buch mit dem Titel Balladen des Nordens. Ein Geschenk von Josua. Ich lächele und mache mich über das Essen her.
Bald muss ich von hier fortgehen. Ich möchte August finden und vielleicht noch andere, die überlebt haben. Meine Gedanken schweifen zu einer Hochzeit von Halblingen ab. Buppi, Nimble, die ganze Hedgert Familie. Wo sie wohl sind ? Meine Lider sind schwer vom Met und ich schlafe zufrieden ein.
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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Mo 31 März 2014 - 17:24

Am nächsten Morgen wache ich früh auf. In meiner Kammer packe ich mein Bündel . Ich werfe einen langen Blick auf den Raum und gehe dann entschlossen zur Tür. Als ich sie öffne lächelt mich Josua an.
"So, du wolltest also gehen ohne dich zu verabschieden, was ?"
Schuldbewusst senke ich den Blick und nicke. Lachend klopft er mir auf die Schulter und bedeutet mir mit ihm zu kommen. Ein letztes Mal - wie ich hoffe - betrete ich hinter ihm die Kammer des Konzils.
Alle sind sie anwesend. Ich frage mich... ich hoffe, daß sie mich gehen lassen. Jedem Einzelnen schaue ich in die Augen und nicke ihm zu. Und in den Augen von jedem Einzelnen erkenne ich gute Wünsche.
Einer nach dem anderen tritt vor und gibt mir etwas in die Hand. Es sind kleinere aber nützliche Geschenke, und manch einer flüstert mir ein Befehlswort zu. Als letzter tritt Josua zu mir und bedeutet mir, ihm mein Katana zu geben. Zögernd entspreche ich seinem Wunsch.
Er kniet nieder, das Katana auf den Handflächen und die Stirn auf der Breitseite der Klinge liegend und beginnt mit einem Zauber. Zuerst murmelnd und kaum verständlich wird seine Stimme mit Fortschreiten des Zaubers immer lauter, bis sie wie Donner hallt. Worte in einer fremden Sprache fliessen aus Josua, und sowohl er als auch mein Katana glühen von innen heraus.
Bewundernd schauen die anderen auf Josua, und einer nach dem anderen tritt hinzu, berührt den alten Mann und spricht kurze Sätze. Farbige Funken fliessen aus ihnen und gesellen sich zu dem silbernen Glühen. Nachdem auch der letzte seinen Teil beitrug fühle ich einen Drang mich auch in diesen Zauber mit einzubringen. Ich lege meine Hand auf den Griff des Katanas und stimme ein einfaches Schlachtlied an. Fasziniert sehe ich, wie ein goldener Schein aus meiner Hand fliesst und sich mit dem silbernen Schein Josuas und dem Funkeln der anderen vermischt.
Mit meiner letzten Silbe beendet auch Josua seinen Zauber, und die Stille lastet schwer über dem Raum. Lächelnd aber erschöpft reicht mir Josua meine Waffe zurück.
"Der Zauber ist dauerhaft. Und er ist mächtig. Mächtiger als ich es für möglich hielt als ich dir dieses kleine Geschenk machen wollte. Dadurch, daß freiwillig Kraft gegeben wurde verstärkte sich das Ergebnis um ein vielfaches. Und dadurch, daß auch du dich eingebracht hast ist eine besondere Bindung zwischen euch entstanden. Nutze das Katana weise. Sei dir der Verantwortung bewusst."
Ernst schaut er mir in die Augen. Seltsam. Sind da ein paar Fältchen dazugekommen ? Langsam beginne ich zu verstehen, wie wertvoll das Geschenk der Magier wirklich ist. Eine einzelne Träne rollt mir über die Wange und tropft auf die Schneide des Katana, wo sie sauber und glatt zweigeteilt wird. Ich packe den Griff fester und nicke dem Konzil dankbar zu. Schnell wende ich mich um. Abschiede waren noch nie meine Sache, und ich möchte gehen bevor mich die Rührung übermannt.
Mit gemessenen Schritten wende ich mich dem Ausgang zu, als Josua mir leise nachruft "Vergiss uns alte Narren niemals, Peron. Und behandle das Schwert gut. Oh... Und gib ihr einen Namen !"
"Kyre" spreche ich leise das elfische Wort für makellos aus "sie heisst Kyre".
Mit Tränen in den Augen verlasse ich den Turm und Luskan, auf dem Weg nach Norden. Zehn Städte.
Was mich dort wohl erwartet...
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Soneji_Yael



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BeitragThema: Re: Der Wanderer   Mo 31 März 2014 - 23:23

16 Jahre wandere ich auf den Spuren von August Weissenfels, manchmal komme ich ihm sogar bis auf wenige Wochen nahe. Von Luskan wandere ich ins Eiswindtal, wo ich einen Sommer und einen Winter verbringe. Ich freunde mich mit einem Zwerg des dort ansässigen Clans an. Heldenhammer. Ein groß klingender Name, aber was sie zu berichten wissen ist unglaublich. Auch die Geschichte des Drow, der an der Oberfläche leben soll und aneblich ein Waldläufer sei... Ich halte das für Tavernengeschichten. Aber gut, sie sind unterhaltsam und lassen einen die Zeit vergessen. Im Sommer fahre ich auf den See und fange Knöchelkopfforellen. Eigentlich ist es eine glückliche Zeit, aber nach einer Weile drängt es mich meiner Vergangenheit zu folgen. In den folgenden Jahren wandere ich nach Silbrigmond, verbringe einige Wochen bei den verrückten Magiern in Langsattel, bevor es mich immer weiter nach Süden zieht. Einige Tage bin ich auch in Calimshan. Meine einstige Geliebte ist noch schöner geworden. Ich beobachte sie eine Weile aus der Ferne. Sie hat einen reichen Kaufmann geheiratet und ist gut versorgt. Er geht auch sehr liebevoll mit ihr um, genauso wie mit meinem Sohn. Es ist erschreckend wie ähnlich er mir sieht. Und er stellt sich auch bereits recht geschickt mit der Klinge an. Ich packe ein paar Kleinigkeiten zusammen für ihn, dazu ein erlesenes Langschwert, welches ich in Silbrigmond eingetauscht hatte und lege ein Pergament mit einer gezeichneten Lilie hinzu. Sie wird wissen von wem es war.
Meine Wanderschaft führt mich durch Halruua zur Insel Nimbral, und von dort aus zurück nach Norden und dann immer weiter nach Osten. Irgendwie stosse ich immer wieder auf Magier. Warum nur. Gibt es denn nur noch Magier überall ? Kelemvor sei Dank sind die meissten davon freundlich. Und der Rest überheblich. Und tot...
In Suzail höre ich das erste Mal den Namen Hedgert. Scheinbar haben zumindest Teile der Sippe überlebt. Mit neuem Mut setze ich über nach Westtor und wandere von dort aus nach Osten bis Alaghon. Die Berichte von dem seltsamen düsteren Barden häufen sich, auch taucht der Name Hedgert immer öfter auf.
In Alaghon erfahre ich von dem Hafenmeister, daß der Mann in der schwarzen Robe vor wenigen Zehntagen nach Sturmbergen übergesetzt ist.
Ich atme durch und buche eine Passage...
Hier schliesst sich der Kreis.
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Der Wanderer
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